Beantwortung des Fragenkatalog durch das Seelsorgeteam

Das Seelsorgeteam hat den Fragenkatalog, den der Gemeindeausschuss vorgelegt hat, beantwortet:
Fragenkatalog zur Stellungnahme des Seelsorgeteams zur Gebäudesituation St. Peter
Wir möchten zunächst betonen, dass das Seelsorgeteam aus Menschen mit ganz verschiedenen Verantwortungen zusammengesetzt ist. Als Seelsorgeteam haben wir zusammen mit dem Pfarreirat die pastorale Verantwortung in der Pfarrei und der Kirchenvorstand hat unter anderem die Verantwortung für Gebäudesituationen. Der Pfarrer ist aufgrund seiner Rolle eingebunden in alle Gremien. Im Pfarreirat sind aus dem Seelsorgeteam alle Berufsgruppen (Pastoralreferent*innen, Diakone, Priester der Weltkirche) jeweils stimmberechtigt vertreten; Die Pastoralassistentin mit beratender Funktion. Als Diakon im Zivilberuf ist Stefan Ricken ehrenamtliches Mitglied des Seelsorgeteams.
Um deutlich zu machen, dass wir jeweils unterschiedliche Rollen innehaben, sind die Fragen individuell beatwortet worden.
– In der Gemeinde herrscht das Gefühl, dass eine große Geheimniskrämerei um den geplanten Abriss von St. Peter gemacht wird. Warum dürfen Kirchenvorstandsmitglieder und Pfarreiratsmitglieder nicht offen reden? Das Thema betrifft doch die gesamte Gemeinde! Wir sind doch alle mündige Christen!
Hendricks: Die Vorgehensweise, die besprochenen Inhalte zunächst in den Gremien zu belassen, wurde auf dem ersten Visionstag von Pfarreirat und KV im November 2019 abgestimmt.
Clessienne: Dass anfangs zunächst Vertraulichkeit im Pfarreirat vereinbart worden ist, hielt ich für sinnvoll, um mit dem Kirchenvorstand ein gemeinsames Vorgehen zu koordinieren. Allerdings ist dann zu lange nichts passiert. Aus meiner Sicht wäre es die Verantwortung des Kirchenvorstands bzw. damals des Verwaltungsausschusses gewesen auf den Pfarreirat zuzukommen und die Situation inklusive einer abgestimmten Information der Gemeinde zu besprechen. Das ist damals nicht passiert.
Ricken: Das lange Stillschweigen war sicher nicht gut. Das kann meines Erachtens auch nicht länger als einige Wochen auferlegt werden. Und ganz ehrlich: es hat ja auch in keinster Weise geklappt. Die Gremien hätten allerdings viel schneller reagieren können und müssen.
Im Nachhinein würde ich sagen: hier ist viel verschleppt worden. Vielleicht lag das auch an mangelnder Information.
Held: Ich habe es auch als gemeinsamen Konsens wahrgenommen, das Besprochene vorerst in den Gremien zu belassen. Es stand aber auch von Anfang außer Frage, dass man die Gemeinde miteinbeziehen will! Sicher sind einige kommunikative Prozesse im Nachhinein zu spät bzw. nicht rund gelaufen, aber dies wurde reflektiert und daran wird gearbeitet
– Warum wurde die Gemeinde und das Gremium der Gemeinde, der Gemeindeausschuss von St. Peter, nicht schon viel früher über die Pläne von Münster informiert?
– Spätestens aber Ende 2018 nach dem Gespräch mit Vertretern aus Münster bei dem Treffen in St. Johannes? Spätestens am 9.12.19 in der Sitzung im Gemeindeausschuss St. Peter bei der direkten Nachfrage zur Gebäudesituation in St. Peter/ St. Franziskus?
Hendricks: Pfarreirat und KV wollten mithilfe von Visionstagen zu einer gemeinsamen Herangehensweise an die Gebäudesituation kommen. Das Thema „Information/Mitbeteiligung“ wurde erst am Ende des dritten Treffens thematisiert.
Clessienne: Es galt immer noch die Vertraulichkeitsvereinbarung (s.o.). Auf den gemeinsamen Treffen der Gremien ging es aus meiner Sicht sehr schleppend voran. Es wurde schnell um inhaltliche Fragen diskutiert (Quadratmeter…), anstatt sich um einen Überblick über die Gesamtlage zu bemühen, zu der auch gehört zu überlegen und zu entscheiden, wer wann welche Informationen/Mitsprachemöglichkeiten/Beteiligungsmöglichkeiten haben muss. Das wäre aus meiner Sicht die Aufgabe von Leitungsträger*innen gewesen. Das versucht jetzt die Steuerungsgruppe zu koordinieren und droht schon wieder sich in inhaltlichen Fragen zu verhaken. Ab März 2020 kam dann die äußere Bedingung der Coronapandemie hinzu, die alles weiter verzögerte.
Ricken: Ich sehe es auch so wie Matthias. Auch hier denke ich: im Nachhinein hätte die Diskussion unmittelbar nach dem Gespräch von 2018 stattfinden müssen – zumindest zunächst zeitnah im KV. Ich selber war von diesem Gespräch total überrumpelt – ich wusste gar nicht, dass es um diese Thematik geht. Mir war dieses Treffen als Planungstreffen für den anstehenden Umbau in St.Johannes angekündigt.

 

– War dem Seelsorgeteam/ bzw. Ihnen als Hauptamtlichen schon vor der Fusion klar, dass wenn es in Münster um den Gebäudebestand geht, der zu Lasten von St. Peter gehen wird?
Hendricks: Mir sind keine Informationen vor der Neugründung der Pfarrei bzgl. Gebäudebestandsänderungen vonseiten des Bistums zugegangen. (Neugründung der Pfarrei 4.2.2018)
Clessienne: Fragen der Immobilien liegen in der Zuständigkeit des Kirchenvorstandes. Ich weiß nicht, wie die Abstimmung des Kirchenvorstands/Verwaltungsausschusses bzw. vor der Fusion der drei Kirchenvorstände mit den entsprechenden Abteilungen im Generalvikariat vonstatten geht. Es gibt kein Briefing oder eine Besprechung des Generalvikariats mit Seelsorgeteams anlässlich einer Fusion oder Ähnlichem. Ebenso wenig gibt es verdeckte Aufträge für Seelsorgeteams.
Wer allerdings nüchtern auf die Situation vor Ort geschaut hätte und sie auch mit anderen Pfarreien im Bistum und deren Gebäudeverhältnisse verglichen hätte, dem hätte auffallen können, dass es hier in einem sehr dicht besiedelten Gebiet mit kleiner werdenden Mitgliederzahlen verhältnismäßig viel (liturgischen) Raum gibt. In einer ebenso emotionslosen Betrachtung hätte man vielleicht auch sehen können, dass es von den drei Kirchengebäuden eins gibt, dass aus baulicher Sicht weiterentwickelt werden könnte, nämlich St. Peter. Das schreibe ich jetzt – und hinterher ist man immer schlauer. Vor der Fusion wurden solche Themen nicht wahrgenommen bzw. verdrängt – und zwar nicht nur vom Personal, sondern auch von den Gemeindemitgliedern. Gleichzeitig ist meine Vermutung, dass genau diese Ängste bei allen beteiligten unbewusst am Werk waren. Und das hat möglicherweise einen Teil zum unbeholfenen Umgang mit der Thematik im Kirchenvorstand, im Pfarreirat und im Seelsorgeteam beigetragen.
Ricken: Als Seelsorgeteam haben wir über den Gebäudebestand nie gesprochen – außer in der Hinsicht, dass wir uns gegenseitig einen Überblick über alle Gebäude gegeben haben. Es ist nicht die Aufgabe des Seelsorgeteams hier aktiv zu werden. Es gab von Seiten des Bistums meines Wissens keine Agenda. Dennoch musste jedem klar sein, dass die Veränderungen nicht vor Homberg und auch nicht vor St.Peter Halt machen. Deshalb wurde auch immer vom Erhalt der drei Standorte gesprochen – niemals von einzelnen Gebäuden. Aber dieses Thema haben wir alle verdrängt und hinten angestellt….bis heute.
– Ist das Bistum Münster schon vor dem 18.12.2018 oder schon vor der Fusion auf Sie zugekommen, um über die Immobiliensituation der da noch damaligen Pfarreien St. Johannes, Liebfrauen und St. Peter zu sprechen?
Hendricks: Das Gespräch am 18.12.2018 war ein Liegenschaftsentwicklungsgespräch mit Bezug auf den Pastoralplan. Vorher gab es in der Zeit von Febr. 2015 bis 18.12.2018 kein Gespräch seitens des Bistums zur Immobiliensituation.
Clessienne: Das Bistum kommt nicht auf Pastoralreferent*innen zu um über Gebäude zu sprechen. Dafür ist der KV zuständig.
Ricken: Ich stehe mit dem „Bistum Münster“ nicht im Kontakt zu solchen Fragen. An dem Gespräch am 18.12.2018 habe ich – wie eben geschildert – zufällig teilgenommen.
– Hat man Ihnen in Münster signalisiert, dass dort schon eine Entscheidung gefallen ist? Welchen Spielraum haben wir hier noch in der Gemeinde/ Pfarre?
Gibt es zeitliche Vorgaben aus Münster, bis wann der Prozess zur Erstellung eines Gebäudekonzeptes für St. Franziskus/ St. Peter abgeschlossen sein soll?
Hendricks: Münster hat uns die Entscheidung überlassen, wie wir mit den Gebäuden verfahren. Allerdings wurde uns aufgrund der zurückgehenden Kirchensteuermitteln signalisiert, dass in Zukunft seitens des Bistums keine Förderung von größeren baulichen Unterhaltungen an den beiden Gebäuden Friedhofsallee 100 und 114 mehr möglich ist.
Clessienne: Am Gespräch in Münster mit Gremienvertreter*innen, bei dem es um diese Fragen ging, habe ich nicht teilgenommen. Was mir davon berichtet wurde, habe ich aber so verstanden, dass die Entscheidung nicht in Münster, sondern in Homberg gefällt wird.
Der zeitliche Faktor wird von der Situation des Kindergartengebäude bestimmt. Wenn es dort für die Kinder und Mitarbeiter*innen nicht mehr zumutbar und sicher ist (durch Schimmel oder fehlende Isolation) ist der Kirchenvorstand als Arbeitgeber in seiner Personalverantwortung zum Handeln verpflichtet und muss eine geeignete Lösung für diese Frage finden. Das betrifft das Kirchengebäude nur mittelbar, ist aber nicht davon unabhängig.
Ricken: Am Gespräch in Münster habe ich nicht teilgenommen. Mir sind keine zeitlichen Vorgaben bekannt außer der Verantwortung der Pfarrei für den Kindergarten St.Peter. Druck gibt es meines Erachtens aus Münster nicht.
Held: Ich habe an dem Treffen in Münster nicht teilgenommen. Münster hat, meinen Informationen nach, immer signalisiert, dass die Pfarrei es in der Hand hat und hatte aber einen Vorschlag mit auf den Weg gegeben. Münster hat signalisiert, dass auf den Pastoralplan eingegangen wird, der an drei Standorten festhält. Handlungsbedarf besteht beim Kindergartengebäude, was meiner Meinung nach die zeitliche Vorgabe sein sollte ebenso, dass jetzt die Mittel noch zur Verfügung stehen.
– Können Sie sich vorstellen, dass Sie als Seelsorger der Pfarre St. Franziskus sich in Münster dafür einsetzen, den Status Quo aufrecht zu erhalten, bis wir ohne Zeitdruck unter Einbeziehung aller Betroffenen eine tragfähige Lösung gefunden haben?
Hendricks: Das kann ich mir sehr gut vorstellen. Allerdings besteht in Bezug auf die bauliche Situation des Kindergartens zeitnaher Handlungsbedarf.
Clessienne: Sicherlich. Der Zeitdruck kommt jedoch nicht durch Münster, sondern hängt mit der oben geschilderten Situation zusammen.
Ricken: Wenn das nötig ist sicher. Aber wir befinden uns ja gerade  in diesem Prozess und ich erlebe keinen Zeitdruck, außer den Bedürfnissen des Kindergartens.
Held: Die Situation des Kindergartens ruft zum Handeln auf, ebenso die Kirchensteuersituation – ganz ohne zeitlichen Rahmen wird es nicht gehen.
– Haben Sie sich in Münster für den Erhalt des Gemeindezentrums eingesetzt? Was war Ihnen wichtig/ welche Argumente haben Sie im Zusammenhang mit dem Erhalt des Gemeindezentrums von St. Peter dort vorgebracht?
Hendricks: Ich habe mich für den Erhalt des Standortes St. Peter eingesetzt und werde das weiterhin tun. Es gibt das Angebot des Bistums, einen multifunktionalen Bau (von Kiga, Kirche und Gemeinderäumlichkeiten) zu errichten, oder das Gemeindezentrum so zu belassen, wie es ist auf die Gefahr hin, dass in Zukunft keine finanziellen Mittel zur Unterhaltung des Gemeindezentrum zur Verfügung stehen.
Clessienne: Habe ich nicht. Da ich als Pastoralreferent nicht für den Kontakt zur Bauabteilung zuständig bin, würde ich damit aus meiner Rolle fallen. Ich hatte und habe mit dem Generalvikariat in dieser Thematik keinen Kontakt.
Ricken: Ich habe mich bisher für nichts eingesetzt. Weder für noch gegen etwas. Es ist ja zunächst ein Vorschlag, aus meiner persönlichen Sicht ein Angebot und eine (einmalige) Chance.
– Hat Münster in den ersten Gesprächen mit Ihnen erläutert, auf welcher Grundlage und welchen Fakten Münster zu der Einschätzung kam, dass es „Vorstellbar wäre eine Immobilienentwicklung unter Berücksichtigung und in Verbindung mit dem benachbarten Standort der Tageseinrichtung für Kinder.“ zu treffen?
– Sind Sie der Meinung, dass Münster überhaupt schon 2018 objektiv darüber urteilen konnte?
Hendricks: Aufgrund der Kirchensteuermittelentwicklung ist das Bistum schon in der Vergangenheit in der Entwicklung von Immobilien dieses Konzept gefahren (z.B. Kindergarten-Pfarrheim Christus König Rheinhausen Bergheim).
Clessienne: Bei diesem und weiteren Gesprächen mit den Verantwortlichen in Münster war ich nicht anwesend.
Ricken: Das kann ich nicht beurteilen.
Held: Ich denke, dass die verantwortlichen Abteilungen in Münster schon vieles gesehen und erprobt haben und die Dinge objektiv über größere Zeiträume betrachten.
– Laut Pfarrbrief fand eine Begehung des Kindergartens erst 2019 statt.
Nach welchen offiziellen Kriterien ist in Münster also ein Kindergarten abgängig?
Hendricks: Nach der Begehung der drei Kindergärten im Sommer 2019 mit einem Architekten der Bauabteilung aus Münster sowie Frau Niehues der Abteilung Kirchengemeinden wurde dem Referatsleiter der Zentralrendantur Xanten folgende E-Mail zugeschickt. Ich vertraue auf die Fachlichkeit der Architekten der Bauabteilung in Münster.
Sehr geehrter Herr Ehren,
die Tageseinrichtung für Kinder St. Peter ist gemeinsam mit Vertretern der Kirchengemeinde am 13.06.2019 besichtigt worden. Die Einrichtung ist baulich und funktional abgängig.
Auch unter Berücksichtigung etwaiger Landesmittel werden wir für eine Sanierungsmaßnahme keine haushaltsrechtliche Genehmigung in Aussicht stellen. Wir nehmen hierzu auch Bezug auf unser Abstimmungsgespräch vom 27.09.2019 und empfehlen einen Neubau im Investorenmodell.
Für weitere Rückfragen stehen wir Ihnen gerne zur Verfügung.
Mit freundlichen Grüßen
Gisela Niehues | Referatsleiterin
Abteilung Kirchengemeinden
Referat Tageseinrichtungen für Kinder
– Wer war bei dem Liegenschaftsgespräch mit der Bau- und Finanzabteilung des Bistums in St. Johannes am 18.12.2018 beteiligt? In diesem Gespräch wurde laut ihren Angaben die Innensanierung St. Johannes und die Planung des Bistums zum Standort St. Peter thematisiert.
– Gibt es folglich einen Zusammenhang zwischen dem Abriss von St. Peter und dem Innenausbau von St. Johannes, denn beide Themen wurden laut Pfarrbrief am gleichen Termin/Sitzung besprochen?
Hendricks: An dem Liegenschaftsentwicklungsgespräch am 18.12.2018 nahmen folgende Personen teil: Herr Schoofs (BGV Liegenschaften), Frau Gebhardt (BGV Liegenschaften), Herr Beike (BGV Finanzen), Herr Nordendorf (BGV Bauen), Herr Lond (KV), Diakon Ricken und ich. (TH)
Dazu steht im Protokoll:
Kirchort St. Peter
Der nicht unter Denkmalschutz stehende Kirchort St. Peter steht aus pfarrlicher Sicht aufgrund des Schwerpunktes „Familienarbeit“ und der homogenen Einbindung in das Wohnumfeld gegenwärtig nicht zur Disposition. Die perspektivische Entwicklung gilt es insbesondere unter Berücksichtigung der Ressourcenentwicklung langfristig (10‐15 Jahre) im Blick zu behalten. Vorstellbar wäre eine Immobilienentwicklung unter Berücksichtigung und in Verbindung mit dem benachbarten Standort der Tageseinrichtung für Kinder. Ziel sollte eine kirchlich‐sozial‐caritative Folgenutzung sein, so dass im Quartier eine kirchliche Anlaufstelle erhalten bleibt.
Ricken: Ich persönlich habe durch Zufall an diesem Gespräch teilgenommen. Ich bin davon ausgegangen, dass es um die Innensanierung geht. Wie schon beschrieben steht dieses Thema schon lange im Raum und ist nötig. Dies wurde im Rahmen der Festlegung der Pfarrkirche und auch im Pastoralplan immer betont. Natürlich schaut das Bistum immer auf das Ganze. Ich erinnere mich sehr gut daran, dass „das Bistum“ bei dem Gespräch ausdrücklich erwähnt hat, dass der Standort St.Peter erhalten bleiben soll. Dennoch sieht das Bistum natürlich hier auch Entwicklungspotential. Die Gelder für die Innensanierung sind ja nicht automatisch „frei“ für andere Maßnahmen oder Entwicklungen. Auch für den Standort „St.Johannes“ sind die Bereitstellung von Förder- und Bistumsmitteln in diesem Zusammenhang eine Chance, die es zu nutzen und zu sichern galt. Das hat der Kirchenvorstand auch getan.
Held: Mir entstand zu keiner Zeit der Eindruck, dass es einen Zusammenhang der Innensanierung St. Johannes und den Überlegungen zum Standort St. Peter gibt.
– Das Raumangebot für St. Franziskus ist zu groß, aber wie kommt Münster darauf, dass es günstiger ist, den Kindergarten und die Kirche St. Peter abzureißen und beides neu aufzubauen, als den Kindergarten zu sanieren und die Unterhaltungskosten trotz überplanmäßigem Raumangebots aufzubringen. Die Räumlichkeiten sind ja vorhanden und können auch anderweitig genutzt werden.
Hendricks: Aufgrund der Kirchensteuerentwicklung und aus Gründen der Nachhaltigkeit ist die Vorgehensweise des Bistums im Hinblick auf Flächenreduzierung eine flächenmäßige Konzentration von Kindergarten, Gemeindeflächen und Kirchraum an einem Standort in Neubauform.
– Es werden im Pfarrbrief zwar finanzielle Gründe für die Notwendigkeit der Reduzierung der Gebäudeflächen genannt. Warum werden dann auf der anderen Seite hohe Summen in andere Gebäudeflächen investiert?
– Warum werden damit in der Folge hohe Unterhaltskosten in Kauf genommen?
– Wie viel finanziellen Spielraum hat die Pfarre St. Franziskus dann noch?
– Sind die Ausgaben für die Innensanierung von St. Johannes gedeckelt?
– In welcher Höhe?
Clessienne: Da das nicht in meiner Zuständigkeit liegt, verweise ich wieder auf den Kirchenvorstand.
Ricken: Das sind Fragen an den Kirchenvorstand.
Hendricks: Die Innensanierung St. Johannes ist ein Projekt von mittlerweile elf Jahren, in denen zwischenzeitlich eine Turmsanierung und die Trockenlegung der Kirchenseiten erfolgt ist. Im Etat der Pfarrei sind jährliche Schlüsselzuweisungen und Bauerhaltungsrücklagen vorgesehen für den Immobilienbestand. Die genaue Kostenstruktur wird zu Zeit von der Steuerungsgruppe zusammengetragen und wird am 13.5.2021 zur Verfügung gestellt.
-In den Pastoralplan wurde von Seiten der Ehrenamtlichen unter Führung des Seelsorgeteams viel Zeit und Engagement eingebracht. Im Bistum Münster gilt die Devise: Die Verwaltung folgt der Pastoral. Kann es also sein, dass Münster solche Pläne für St. Franziskus äußert, weil im Pastoralplan kein gescheites Gebäudekonzept verankert ist?
Warum wurde in der damaligen Steuerungsgruppe Pastoralplan der Punkt „tragbares Gebäudekonzept“ nicht geklärt und verankert?
Hendricks: Weil das für einige der damaligen Mitwirkenden am Pastoralplan nicht an erster Stelle stand und ein solches Gebäudekonzept möglicherweise nach dem Erstellen des Pastoralplans erarbeitet wird.
Clessienne: Die Aufgabe der damaligen Steuerungsgruppe Pastoralplan war es einen gescheiten Pastoralplan zu erstellen und die hat sie erfüllt. Die Gebäude sind dort aus pastoraler Perspektive thematisiert mit dem Ziel einer liturgischen Profilierung und unter dem Bezug auf Koinonia und Martyria als Treffpunkte und Orte, an denen Evangelium und Existenz in Austausch gebracht werden können. In Bezug auf ein Immobilienkonzept muss ich wieder auf den Kirchenvorstand verweisen, der damals im Übrigen wenig Interesse an der Beteiligung und der Erarbeitung des Pastoralplans aufbringen konnte. (Außer durch den Hinweis darauf, dass für die Weiterführung der Sanierung der St. Johannes-Kirche der Pastoralplan notwendig sei, war die Beteiligung der damals noch drei Kirchenvorstände sehr begrenzt.)
Außerdem ist es durchaus üblich, dass ein Immobilienkonzept nicht Teil des Pastoralplans ist, sondern darauf aufbaut. Ganz nach der genannten Devise, dass die Verwaltung der Pastoral folgt. Eine ausgearbeitete und tragfähige Grundlage dafür liegt mit dem Pastoralplan seit fast drei Jahren vor.
Ricken: Es war damals sehr klar und offen kommuniziert, dass der Pastoralplan entscheidenden Einfluß auf die Entwicklung der Pfarrei hat. Das Bistum orientiert sich an diesem Plan. Ich erinnere mich gut, dass der KV damals kein großes Interesse hatte an einer aktiven Beteiligung. In erster Linie ging es um pastorale Fragen. Ich denke alle hatten „Angst“ dieses Thema freiwillig anzugehen. Warten wir mal ab……
– Im Pfarrbrief äußern Sie sich sehr engagiert für die Sanierung von St. Johannes. Nennen Sie uns bitte die schulischen oder kulturellen Institutionen, die nachgefragt haben, ob sie die Kirche von St. Johannes nutzen könnten.
Hendricks: Folgende Institutionen haben bisher angefragt: FHG für die Zeugnisverleihung, versch. Chöre für Konzerte
Clessienne: Aus meiner Sicht ist die Möglichkeit St. Johannes über die Kernfunktion (Liturgie, vielleicht Katechese) hinaus für andere Zwecke hinaus nutzen zu können, sekundär, jedenfalls nicht entscheidend. Sicherlich kann der Raum auch für Konzerte, Lesungen, Ausstellungen, vielleicht auch Bildungsveranstaltungen dienen, aber das sind nicht die vorrangigen Gründe des Umbaus.
Der Innenraum ist sanierungsbedürftig und das BGV sowie die Denkmalschutzbehörden übernehmen einen Großteil der Finanzierung. Diese Mittel, werden für diesen Zweck zur Verfügung gestellt. Für keinen anderen. Es ist nicht so, dass Mittel, die hier eingespart würden an einer anderen Stelle in Homberg investiert würden. Daher sollte die Innensanierung unabhängig vom Kindergarten St. Peter betrachtet werden. Natürlich ist der andere Teil die Eigenbeteiligung der Pfarrei an der Innensanierung, für die auf Rücklagen zurückgegriffen werden muss. Ich denke aber, dass das verantwortbar ist und halte es für geboten diese Gelegenheit zu nutzen, sofern die Kosten nicht explodieren.
Ricken:  Die Sanierung und Umgestaltung der St.Johannes-Kirche hat nicht den Sinn und Zweck andere Veranstaltungen dort zu platzieren. Im Rahmen der ( ich wiederhole es gerne immer wieder) 10 jährigen Überlegungen wurde deutlich: der Raum bedarf aus der heutigen liturgischen Sicht und Haltung eine Umgestaltung. Kein Kirchenraum in Homberg ist – wie St.Johannes nun – seit 60 Jahren unverändert geblieben. Die nötigen baulichen Maßnahmen und die wünschenswerten Umgestaltungen sind nicht aufgrund von Anfragen zu Konzerten und sonstigen Veranstaltungen erwachsen, sondern aus dem Bewusstsein und aus der Verantwortung die historische und denkmalgeschützte Kirche zu erhalten und auch den heutigen Bedürfnissen anzupassen. Wenn jetzt investiert wird, dann so, dass es auch für die nächsten Jahrzehnte sinnvoll angelegt ist.
Sehr schmerzhaft und betroffen verfolge ich seit geraumer Zeit die Diskussion, den Umbau mit den Entwicklungen in St.Peter in Zusammenhang zu bringen. Dieser Zusammenhang besteht nicht. Die Maßnahmen sind lange geplant und beantragt – immer wieder verschoben – auch durch die Fusion. Die Frage nach der Pfarrkirche damals – daraus hat niemand einen Hehl gemacht – war auch verbunden mit der Frage nach der Sanierung der Kirche. Die „Milchmädchenrechnung“: da wird Geld reingesteckt und da wird „abgerissen“ ist unfair. Kein Cent wird aus einem (etwaigen, nicht bestimmten) Verkauf irgendeines Grundstücks in irgendeinem Gemeindeteil in die Maßnahme „gerechnet“.
– Erläutern Sie bitte Ihre Meinung, dass der Abriss von St. Peter eine zukunftssichernde Maßnahme für die Gemeinde ist.
Hendricks: Zitat aus dem Artikel aus dem Weihnachtspfarrbrief:
„…aufgrund der Priorisierung der Bistumsleitung im Hinblick auf einer zukünftigen stärkeren Finanzierung der Kindergärten wird der Pfarrei empfohlen, die heute noch zur Verfügung stehenden Finanzmittel für Kindergärten und die Errichtung eines multifunktionalen Gebäudes, bestehend aus Kirchraum, Gemeinderäumlichkeit und mehrgruppiger Kindertagesstätte am Standort Friedhofsallee 100 zu errichten und den bisherigen Standort des Kindergartens St. Peter zu veräußern.
Diese Empfehlung des Bistums geschieht dahingehend, da in Zukunft die Kirchensteuermittel stark zurückgehen und jetzt die Zeit ist, für die Zukunft gesichert einen optimalen, den Bedürfnissen der kommenden Generationen gerecht werdenden Standort St. Peter zu schaffen. In diesem Angebot des Bistums liegt die Chance der Sicherung des Standortes für die kommenden Jahrzehnte.“
Clessienne: Zunächst möchte ich um eine differenzierte Betrachtung bitten. Mir ist es wichtig zu betonen, dass ich kein persönliches Interesse in dieser Angelegenheit verfolge. Ich bin nicht persönlich daran interessiert eine Kirche umzubauen oder nicht. Die Entscheidung treffen die Gremien der Pfarrei, letztlich der Kirchenvorstand und ich werde die Entscheidung mittragen und bei der Umsetzung mithelfen.
Ich habe eine Perspektive auf die Frage aus meiner beruflichen Rolle. Das ist ein entscheidender Unterschied. Mein Eindruck ist nämlich, dass je emotionaler die Diskussion wird, um so mehr wird sie als eine persönliche Auseinandersetzung geführt. Dagegen möchte ich mich abgrenzen. Das halte ich nicht für angemessen.
Aus meiner beruflichen Rolle heraus möchte ich Argumente für die Weiterentwicklung des Standortes St. Peter in die Diskussion einbringen. Dabei halte ich es für wichtig bei allem Respekt und aller Wertschätzung der Gemeindearbeit in den vergangen fünfzig Jahren eine Zukunftsperspektive in die Debatte einzubringen. Seit dem ich im Bistum Münster 2012 angefangen habe in der Gemeindepastoral zu arbeiten, erlebe ich einen Schrumpfungsprozess. Außer den Pfarreien, die immer größer werden, verändert sich der Rest im Vergleich zum Zustand vor 30 Jahren rückläufig. Diese Veränderungsprozesse steht unbenommen ein bemerkenswerter Stillstand der Lehre und Praxis der Kirche gegenüber. Hier werden zu Recht (und ebenfalls seit 50 Jahren) Veränderungen gefordert, wie es der synodale Weg gerade wieder zeigt. Aber auch an der Basis der Gemeindepastoral gehen die Veränderungen nicht spurlos vorbei. Die Frage, die ich mir dabei stelle: Reicht es aus in diesem Veränderungsprozess mit Mitteln nach dem Vorgehen „mehr desselben“ zu begegnen? Reicht es aus, zu sagen: Wir müssen nur die Räume, die wir haben öffnen und Gruppen zur Verfügung stellen oder Gruppenarbeit nach dem Prinzip der „reflektierten Gruppe“ und dem „personalen Angebot“ der Würzbürger Synode (1975!) anzubieten? Wann hätten wir damit aufgehört? Wann haben wir Gruppen unsere Räume verweigert, die danach gefragt haben? Wo kommen plötzlich die Menschen her, die diese Gruppen bilden sollen? Kann es nur an der Qualität und der Persönlichkeit der derzeit hauptamtlichen Seelsorger*innen liegen, wenn sie es nicht tun?
Schauen wir auf die Struktur: Bischof Genn hat versprochen, dass es in seiner Amtszeit keine Pfarreizusammenlegungen/Neugründungen geben soll. Das bedeutet aber nicht, dass es keine strukturellen Veränderungen geben wird. Solange nicht der Can. 517 § 2 CIC des Kirchenrechts genutzt wird und Personen, die nicht Priester sind Pfarreien leiten dürfen, werden Priester in Zukunft Pfarrer von mehreren Pfarreien sein. Die Gemeinden vor Ort werden dann von ehrenamtlichen Teams oder einzelnen Hauptamtlichen geleitet, wo das möglich ist. Ich halte es für ziemlich realistisch, dass das Dekanat Duisburg West mit seinen drei Pfarreien in nicht allzu ferner Zukunft von einem Pfarrer geleitet wird.
Wer sagt denn, dass sich das in zehn Jahren nicht alles wieder ändert? War eine Frage bei einem der Visionstage. Diejenigen, die diese Priesterschwämme darstellen würde, wären in ca. in den letzten 5 Jahren zur Erstkommunion gegangen. Mein Eindruck ist, dass eine Trendumkehr nicht realistisch ist. Auch wenn wir, was ich leider ebenfalls für nicht sonderlich realistisch halte, die Priesterweihe der Frau oder die Aufhebung des Zölibats noch erleben würden.
In solchen Dimensionen halte ich eine Weiterentwicklung des Standortes St. Peter für eine Chance, die sich in dieser Zeit – so lange noch Geld da ist – bietet. Wie wäre es für einen Augenblick mal den Rahmen zu verändern und diese Weiterentwicklung als den Anfang von etwas Neuem und weniger als den Untergang der guten, alten Zeit anzuschauen. In einem Gebilde, das de facto eine Pfarrei auf Dekanatsgröße wäre, hätte ein Neubau St. Peter sicherlich gute Voraussetzungen, was die Standortsicherheit angeht.
Und da ist noch nichts zu den Möglichkeiten einer inhaltlichen Gestaltung gesagt. Meine Vision wäre ein Gebäude, wo Kindergarten, Gemeinderäume, ein liturgischer Ort aber auch ein Treffpunkt fürs Quartier z.B. ein Café oder eine Kneipe und im ersten Stock eine Wohngruppe für Menschen mit Behinderung unter einem Dach sind. Vierundzwanzig Stunden, sieben Tage die Woche wäre da Leben im Haus, das gleichzeitig aus einem christlichen Geist heraus geprägt wäre. Das könnte ein ähnlich inspirierender Ort sein, wie es das Gemeindezentrum St. Peter für diejenigen war und ist, die ihn vor 50 Jahren aufgebaut haben. Es wäre vielleicht auch ein Anlaufpunkt für diejenigen, die in das neu entstehenden Wohngebiet ziehen werden.
Ob das in einem Investorenmodell realisiert werden muss? Ich kann die Sicht des Bistums verstehen, würde das aber sehr genau prüfen und tendiere aus dem Bauch heraus eher dazu es ohne Investor zu realisieren bzw. ohne das Gelände oder das Gebäude mehrheitlich an einen Investor abzugeben.
Die Alternative St. Peter so zu erhalten, wie es ist, ist ebenfalls ein gangbarer Weg. Aus meiner Sicht, muss dann aber eine Lösung gefunden werden, die den Kindergarten in irgendeiner Weise erhält. Außerdem braucht es eine positive Vision für das Leben in St. Peter auch noch in zehn Jahren, sonst stehen wir in einigen Jahren wieder vor den selben Fragen.
Ricken: Ich kann mich den Ausführungen von Matthias hier nur vollumfänglich anschließen.
Held: Jetzt ist der Zeitpunkt zu handeln, da es noch finanzielle Mittel gibt. Ja, ein Vorschlag ist es, beide jetzt bestehenden Gebäude aufzugeben und etwas Neues zu bauen. Ich persönlich sehe viele Chancen und Synergieeffekte in einem Neubau der KiGa, Gemeindezentrum und liturgischen Raum verbindet. Die religiösen Strukturen ändern sich; mehr Kirchenaustritte, weniger Kirchenbesucher, mehr „kirchenferne“, weniger Geld, mehr Vielfalt. Kindergärten werden für junge Familien immer von hoher Bedeutung sein – oft gehen beide Elternteile arbeiten. Wo könnten wir diesen Familien besser begegnen als an dem KiGa selbst? Sie wären direkt an das gemeindliche Leben angeschlossen, so können wir uns sichtbar machen und für sie da sein. Kirche/Gemeinde sollte den Menschen in ihrer Lebenswirklichkeit begegnen. Hier sehe ich zwischen KiGa und Gemeinde viele Möglichkeiten, die sich auch jetzt schon im Konzept „Kita – Lebensort des Glaubens“ zeigen. Ich sehe vor meinem inneren Auge eine mit Leben erfülltes Gebäude.
Außerdem sehe ich die Gefahr, dass, wenn alles so bleibt wie es ist, irgendwann kein Geld mehr für Sanierungen da sein wird und dann evtl. der Standort St. Peter aufgegeben werden muss. Sicherlich wäre ein Abriss beider Gebäude und ein Neubau mit Schmerz und Trauer verbunden, die ich gut nachvollziehen kann, andererseits wäre ein evtl. zukünftiger kompletter Verlust des Standortes viel schmerzlicher und etwas, dass ich mir nicht für die Gemeinde wünschen wollen würde. Manchmal muss man voran gehen, auch wenn es ängstigt und schmerzhaft ist, aber mit Vertrauen und dem nötigen Mitgestalten wird es gut werden. Das ist meine persönliche Meinung, die ich mitteile und natürlich muss die Pfarrei, die Gremien, entscheiden, was am Standort St. Peter geschehen soll.
– Haben Sie den Eindruck, dass die Gemeinden der Pfarre St Franziskus schon gut zusammengewachsen sind? Welche Überlegungen gibt es dahingehend das Zusammengehörigkeitsgefühl weiter zu stärken?
Hendricks: Mein Eindruck ist sehr ambivalent. Es gibt Menschen, die z.B. schon jetzt an den unterschiedlichen Standorten die Sonntagsmesse mitfeiern, es gibt Menschen, die sich in die gemeinsamen Katechesen (zur Erstkommunion und Firmung) oder in die gemeinsame (zudem ökumenische) Caritasarbeit einbringen (einige sogar, die außerhalb Hombergs wohnen). Viele sprechen noch heute von „Boh glaubse 2018“. Viele schätzen, dass die Priester an allen Kirchtürmen Messe feiern statt nur dort, wo sie wohnen. Aber ich spüre gerade in den Gremien ein ausgeprägtes Kirchturmdenken. Solange das nicht überwunden wird, kann sich jede und jeder, der ein Zusammenwachsen möchte, abstrampeln wie er will. Es wird nicht funktionieren.
Ricken: Ich habe den Eindruck, dass die Pfarrei sehr langsam zusammenwächst und viele resigniert haben. Mir fehlt viel Schwung und Dynamik in den Gremien.
Held: Mit den Menschen, mit denen ich schon zusammenarbeiten durfte, habe ich oft erlebt, dass Kinder, Jugendliche und junge Familien immer weniger in Kirchtürmen denken. Sie schauen sich um, und dort wo sie etwas anspricht, dort gehen sie hin (auch aus Erfahrungen aus meiner vorherigen Stelle, dort sogar 2 Städte – ein Seelsorgebereich). Ich selbst denke nicht in Kirchtürmen, was sicherlich dadurch beeinflusst ist, dass ich zugezogen bin, aber auch dadurch, dass ich offen bin und ich in meiner kurzen Zeit auch schon Gruppen begleiten durfte und zusammengebracht habe, die Kirchturmübergreifend zusammengearbeitet haben. Man sollte das WAS und nicht das WO in den Vordergrund stellen. Und die Frage „Welche Überlegungen gibt es dahingehend das Zusammengehörigkeitsgefühl weiter zu stärken?“ sollte sich vielleicht jeder und jede einzelne stellen, denn nur so würde ein Zusammenwachsen entstehen.
– Werden Sie die Initiative des Gemeindeausschusses St. Peter unterstützen und auch die Liste unterschreiben?
Hendricks: Ich werde die Liste unterschreiben, wenn feststehen würde, dass ein Abriss von St. Peter eine Aufgabe dieses Standortes insgesamt bedeuten würde.
Held: Für mich persönlich ist die Unterschriften-Initiative zu einseitig, ich sehe die Situation viel komplexer. Gegen eine Aufgabe des Standortes St. Peter würde ich unterschreiben, ebenso unterschreibe ich den Statz „St. Peter ist mir wichtig“.  
Clessienne: Mir ist St. Peter wichtig.
Ricken: Gegen einen Abriss, der nicht in den Gremien beschlossen würde, würde ich auch in Form meiner Unterschrift protestieren. Da aber KV und Pfarreirat in Koordination mit vielen Beteiligten erst mal zu einer Entscheidung kommen müssen, unterschreibe ich das zum jetzigen Zeitpunkt nicht. Es ist nichts entschieden und es liegt in der Hand der Pfarrei. 

 

– Im Protokoll der Steuerungsgruppe haben wir gelesen: „Vorlagen der Steuerungsgruppe werden mehrheitlich verabschiedet und als Ergebnis der Gruppe kommuniziert. Es gilt das „Konsens-Prinzip“ Das Seelsorgeteam ist mit 3 Stimmen in der Steuerungsgruppe vertreten. Sind wirklich alle 3 Hauptamtlichen so neutral, dass Sie unvoreingenommen zum Wohl aller mit abstimmen können?
Hendricks: Ich für meinen Teil kann diese Frage bejahen, da ich vom Bischof zum Seelsorgedienst in St. Franziskus mit den Standorten St. Peter, Liebfrauen und St. Johannes beauftragt worden bin (TH).
Clessienne: Es gibt keine hidden agenda des Seelsorgeteams. Die Entscheidung wird in den Gremien, letztlich im Kichenvorstand gefällt. Ich sehe meine Rolle und Aufgabe darin meine professionelle Sicht miteinzubringen. Ich trage aber jede Entscheidung mit und helfe dabei sie umzusetzen egal, ob das in einem weiterentwickelten Gebäude ist oder nicht.
Ricken: Ich habe kein persönliches Interesse an irgendeinem Modell oder einem Weg. Es gibt nicht „die Meinung“ des Seelsorgeteams, dafür sind wir zu verschieden. Ich habe meine persönliche Meinung und Erfahrung aus fast 30jähriger Gremien- und Gemeindearbeit in Homberg, die versuche ich wohldosiert einzubringen. Die Entscheidung liegt in den Gremien und ich werde jede Lösung mittragen, die durch die Gremien zustande kommt. Ich habe kein Interesse daran irgendetwas in dieser Angelegenheit „durchzudrücken“.  Abgestimmt wird im KV. Die Steuerungsgruppe arbeitet konsensfähige Vorschläge aus – so mein Verständnis.
Held: Ich gehe stark davon aus, dass jede und jeder nach bestem Wissen und Gewissen entscheidet. Die Steuerungsgruppe entwickelt Vorlagen für die beiden Gremien KV und PR. Der letzte Entscheidungsprozess findet nicht in der Steuerungsgruppe statt, sondern im Kirchenvorstand.
– Wie stehen Sie zu der Frage: Soll bei Entscheidungen, die die Gemeinde betreffen der Pfarrer/ das Seelsorgeteam die entscheidende Stimme haben?
Hendricks: Als Pfarrer bin ich geborenes Mitglied des Kirchenvorstandes und des Pfarreirates und habe Stimmrecht.
Clessienne: Der Kirchenvorstand entscheidet. Der Pfarreirat begleitet die Entscheidung mit seiner Verantwortung für die Pastoral. Das Seelsorgeteam ist vertreten im Pfarreirat.
Ricken: Das stimmt ja so nicht. Das Seelsorgeteam hat keine entscheidende Stimme. Im Kirchenvorstand kann es sein, dass der Pfarrer „das Zünglein an der Waage ist“, wenn Stimmengleichheiten bestehen. Aber das ist Staatskirchenrecht – da können wir nichts machen. Grundsätzlich meine ich: Seelsorgende haben immer eine „dienende“ Funktion und damit sind sie nicht die Entscheidungsträger. Das sind Sie alle ! Es sind übrigens in diesem Jahr wieder Wahlen für den KV und für den Pfarreirat.
Held: „Der Kirchenvorstand ist das vermögensverwaltende Organ der katholischen Kirchengemeinde. Er besteht aus dem Pfarrer und gewählten Laien der Kirchengemeinde. Er trifft eigenverantwortlich Entscheidungen beispielsweise über finanzielle Ausgaben, Bauvorhaben, Immobilienverwaltung, den Betrieb von Kindergärten…“ (VVG von 1924). Entscheidungen werden per Mehrheit getroffen. Meiner Meinung nach stellt sich die oben gestellte Frage gar nicht.

 

– Wenn das Kirchenzentrum wirklich abgerissen wird: Wie viele Quadratmeter hat Münster der Gemeinde St. Peter zugesagt? Wie groß wäre der neue liturgische Raum (Sitzplätze), der Pfarrsaal, andere Räumlichkeiten im Falle eines Abrisses?
– Hat die Gemeinde dann einen Ort an dem sie sich versammeln kann um neben den liturgischen Feiern wie Ostern, Weihnachten, Fronleichnam, Kommunion etc. auch andere Feste des Zusammenseins feiern zu können, wie Gemeindeversammlungen, Gemeindefeste, Filmabende, Grillen, Osterfrühstück, Osterfeuer?
Hendricks: Diese detaillierten Fragen kann ich so nicht beantworten, weil dies vom Konzept für ein neues Gebäude am Standort abhängt.
Clessienne: Aufgabe der Steuerungsgruppe ist es, Beteiligungsformate zu erarbeiten, wo solche Fragen besprochen werden können.
Ricken: Das ist eine Aufgabe der Steuerungsgruppe.
Held: Ich gehe davon aus, dass sich die Steuerungsgruppe mit eben solchen Fragen beschäftigen wird, falls ein neues Gebäudekonzept aufgestellt werden muss. Eine gefällte Entscheidung für einen Neubau gibt es nicht und somit auch kein konkretes Gebäudekonzept, dass diese Fragen beantworten könnte.
– St. Peter ist eine Gemeinde die verstärkt niederschwellige offene Angebote für Kinder und Jugendliche die nicht institutionell gebunden sind, anbietet.
– Wo haben Kinder und Jugendliche dann auch noch einen vergleichbaren geschützten Raum in einem Außenbereich wie in St. Peter? Was ist mit dem im Pastoralplan genannten Schwerpunkt der Familienpastoral?
Hendricks: Ein Außengelände muss jede Kita vorhalten, somit würde auf jeden Fall nicht die ganze Fläche verbaut. Wichtig ist in diesem Zusammenhang die Kinder und Jugendlichen zu fragen, was sie zukünftig brauchen.
Die Kindergärten sind Lebensorte des Glaubens und zertifizierte Familienzentren. Das ist doch eine gute Basis für ein familienpastorales Angebot an einem konzentrierten Ort.
Clessienne: Der Schwerpunkt ist erstmal ein liturgischer Schwerpunkt, so wie es im Pastoralplan steht. Möglichkeiten für Kinder- und Jugendarbeit wird es bestimmt weiterhin geben. Ich würde mich jedenfalls dafür einsetzen.
Held: Falls es zu einem Neubau kommen sollte, können doch die Anliegen der Kinder- und Jugendarbeit mit aufgenommen werden. Es würde dann ja ein neues Gebäude entworfen werden, an dem man sich gedanklich austoben kann.
„Die Kindergärten sind Lebensorte des Glaubens und zertifizierte Familienzentren. Das ist doch eine gute Basis für ein familienpastorales Angebot an einem konzentrierten Ort.“ – unterschreibe ich.
– Die Menschen hängen an dem Kirchengebäude, fühlen sich aber mit ihren Gefühlen von Unsicherheit, Verlust und Trauer allein gelassen. Mittlerweile kommt aber auch vermehrt das Gefühl von Resignation und auch Frust und Wut dazu. Nehmen Sie diese Gefühle als Seelsorger wahr und ernst? Was wird das Seelsorgeteam in der Hinsicht unternehmen?
– An welchem Termin werden Sie die Fragen der Gemeinde im Anschluss eines Gottesdienstes beantworten? Dies haben Sie seinerzeit auch so gehandhabt, als es um die Vorstellung der Pläne für die Innenraumsanierung von St. Johannes ging.
Hendricks: Ich selber erlebe gerade, wie in meiner Heimatgemeinde die Kirche umgebaut und das Pfarrheim halbiert wird (übrigens ohne Vorabinformation an die dortige Gemeinde…). Das schmerzt, weil viele Kindheitserinnerungen daran hängen. Ich kann das daher sehr gut nachvollziehen und nehme die Trauer und die Angst wahr und ernst!
Am Do, 13.5. (Christi Himmelfahrt) werden Gemeindeversammlungen um 11.00 Uhr und 15.00 Uhr stattfinden.
Ricken: Ich kann die Reaktionen alle gut verstehen und denke, dass vieles durch eine andere Kommunikation und Transparenz hätte verhindert werden können. Da sehe ich ein Versagen der Leitungsstrukturen in unserer Pfarrei. 
Damals – nach dem ersten Anzeichen der Veränderungs-Angebote aus Münster – hätten wir uns alle hinsetzten müssen und sagen müssen: „Und was machen wir jetzt“? Die Trauer und Wut könnten so schon längst in Produktivität gewandelt sein. Aber so ist es eben nicht gelaufen. Ich finde es wichtig und richtig offen und vorurteilsfrei zu sprechen, ohne den anderen Gemeinden zu unterstellen, man wolle etwas Schlechtes füreinander. 
Held: Ja, sicher nehme ich diese Gefühle wahr, ernst und kann sie auch nachvollziehen und gehe ins Gespräch, wenn ich mal auf die Situation angesprochen werde. Ich denke, dass KV, PR und Seelsorgeteam auf diese Gefühle eingehen müssen. Es müssen offene Gespräche über diese Gefühlslage geführt werden, die Kommunikation verbessert werden, aber dazu ist ein Zusammenkommen und Aufeinander zukommen aller erforderlich, ein sich öffnen für die Perspektiven des/der anderen.
Clessienne: Selbstverständlich nehme ich diese Gefühle wahr und ernst. Ich kann die Reaktionen gut nachvollziehen und auch an mir selbst gehen diese Auseinandersetzungen nicht spurlos vorüber. Die Kommunikation hätte von Anfang an anders laufen müssen und ich würde mir wünschen, dass durch die Arbeit in der Steuerungsgruppe der Prozess geordnet wird und viele Beteiligungsmöglichkeiten zustande kommen, sodass wir von der rückwärtsgewandten Zuweisung von Schuld zu einer vorwärtsgewandten, lösungsorientierten Sicht kommen. Das funktioniert nur im offenen Gespräch miteinander.