Corona – Zwischen Loslassen und Neuentdecken

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Liebe Pfarreimitglieder*innen,

Liebe Pfarreimitglieder*innen, von einem auf den anderen Tag wurde das Pfarreileben ab dem 13.3. eingeschränkt: Gottesdienste fanden nicht mehr statt, Gruppen konnten sich nicht mehr treffen, Gremiensitzungen wurden abgesagt und die Kitas mussten schließen. Und das alles kurz vor Ostern, dem wichtigsten Fest für uns Christinnen und Christen. Für mich persönlich doch ein Einschnitt. Ich hatte mich auf die verschiedenen Gottesdienste in unseren drei Kirchen gefreut, selbst mitzuwirken, aber sie auch selbst zu erleben, mit Ihnen allen. In dieser Ferienzeit ist mir aber bewusst geworden, dass wir uns davon nicht haben unterkriegen lassen. Auch wenn einiges nicht stattfinden konnte und wir loslassen mussten, so haben wir doch anderes neuentdeckt! Das Pfarreileben ging weiter. Ich wollte Ihnen einmal aufzeigen, was trotz der Corona-Umstände bis zu den Sommerferien stattgefunden hat:

Ostern neuentdecken:

  • Ehrenamtliche, Pfarreiangestellte und Seelsorger gestalten die drei Kirchen zu den Kartagen: traditionell, experimentell und familiär. Fotos werden auf Facebook und der Homepage gepostet und die Kirchen waren geöffnet.
  • Ostern für Zuhause: 80 Familienboxen und 200 Erwachsenenboxen wurden von den Seelsorgern gepackt, davon wurden 55 Familienboxen 113 Erwachsenenbox durch ca. 20 Helfer*innen nach Hause geliefert.
  • Das Osterlicht in der Osternacht bis vor die Haustür: 85 angemeldete Haushalte bekamen in der Osternacht das Licht der neu entzündeten Osterkerze nach Hause geliefert, durch das Engagement von 13 Verteiler*innen und der Seelsorger*innen.

Erstkommunion neuentdecken:

  • Kontakt zu den Kindern und ihren Familien über Briefe und WhatsApp
  • Ideen für Hausgottesdienste und sich mit dem Glauben zu beschäftigen
  • Am Tag der geplanten Erstkommunionfeier gab es für jedes Kinde ein kleines Tütchen mit Karte und Schutzengel und sie hinterließen symbolisch einen Fingerabdruck

Kirchenmusik neuentdecken:

  • Einzeln und doch gemeinsam – Franziskus singt zu Ostern, die Stimmen von 21 Sänger*innen zu einer Aufnahme zusammengeschnitten
  • 15 Musikvideos zu den Sonntagen, insgesamt 30 Aufnahmen mit insgesamt 34 Musiker*innen/ Sänger*innen unter der Leitung unseres Kirchenmusikers Heiner Lüger – Zahl steigend
  • 10 Sänger*innen des Projektchors singen 15-mal für Altenheime/ Wohnheime und das Krankenhaus

Gottesdienstangebote neuentdecken:

  • Kirche to go – Die Tüte mit Texten, Gebeten, Tee und Kerze. Seit dem 21. März jeden Sonntag, insgesamt 14 Ausgaben der Kirche to go, jedes Mal 140 Tüten, das macht insgesamt 1960 Tüten. 120 davon werden jedes Wochenende nach Hause geliefert. Die Packzeit beträgt ca. vier Stunden, das macht insgesamt 56 Stunden Packarbeit.

Nächstenliebe neuentdeckt:

  • Einkaufsdienst für Senioren, Seniorinnen und Zugehörige der Corona-Risikogruppen: 47 Helfer*innen, 33 belieferte Haushalte, insgesamt 75 Einkäufe, 6 entstandene Partnerschaften für den Zeitraum
  • Ca. 11 Frauen aus den drei Gemeindeteilen haben insgesamt ca. 1.700 Mundschutzmasken genäht für Pfarreimitglieder*innen, Arztpraxen und Altenheime
  • Begleiter der Seniorengruppe haben telefonischen Kontakt zu allen gehalten und auch Grüße aus dem Urlaub geschickt

Kindergärten/Familienzentren neuentdeckt:

Kita St. Martin:

  • 26 Briefe an die Familien geschickt mit Kontaktadressen zu Beratungsstellen in Krisensituationen, Ideen zum Basteln, Informationen zu den Osterboxen und Angeboten in der Osterzeit, Anregungen, um mit Kindern über das Coronavirus zu sprechen
  • Kindergartenspielplatz im Nachmittagsbereich und am Wochenende für Familien angeboten
  • Malaktionen in Gang gebracht, Rückmeldungen mit kleinen Videos von Familien. Mit den Bildern der Malaktion entstand eine Bilderwand am Zaun des Kindergartens mit Grüßen
  • Erzieherinnen hielten persönlichen Kontakt mit WhatsApp Video Schaltungen, Telefonanrufe und Besuchen über den Zaun
  • Zu Mutter- und Vatertag überbrachten sie Bastelpackungen
  • Die Kinder im Kindergarten haben einen großen Regenbogen als Zeichen der Hoffnung am Fenster im Turnraum gestaltet.

Kita St. Peter:

  • Aktiver Zaun: Am Tor zum Parkplatz (Außengelände), hat sich ein „aktiver Zaun“ etabliert. Mit Eltern und Kindern ins Gespräch kommen, offener Ort für den Austausch für alle Familien, die nicht in der Notbetreuung waren.
  • Eltern und Kinder haben bemalte Steine hinterlegt, ein Transparent aufgehängt.
  • Erzieherinnen haben die Osterboxen der Gemeinde an die Familien und Gemeindemitglieder mit verteilt.
  • Individuelle Briefe der Gruppen an die jeweiligen Kinder zu Ostern mit einem Osterkorb, was die Erzieherinnen den Familien nach Hause gebracht haben.
  • Kinder, die nicht in die Betreuung konnten, wurden am Geburtstag besucht, besungen, oder angerufen und es wurden Geburtstagbriefe verschickt.
  • Individuelle Telefonkontakte zu den Familien. Abschlussfeier der Vorschulkinder auf Gruppenebene als thematische Abenteueraktion vorbereiten und durchführen.
  • Neue Homepage erstellt, aufräumen, durchsortieren und ausmisten

Kita St. Johannes

  • Tipps zur kreativen Gestaltung für die Familien
  • Aufruf zu Regenbögen malen, diese wurden am Kita-Zaun aufgehängt
  • Begleitung durch die Kar- und Ostertage durch Bilder und Geschichte auf Facebook, insgesamt 11 Bilder, gestellt mit Bibelfiguren im Garten der Kita
  • Samenbomben mit Wildblumen zum Abholen
  • Corona-Maßband mit Sprüchen (dieses wurde täglich auf Facebook veröffentlicht)
  • Videobotschaft der Erziehrinnen an die Kinder
  • Kräutersträußchen aus dem Garten für Gulasch
  • Bastelset zum Abholen für die Großen, Überraschung für die Kleinen vorbereitet durch die Notbetreuungskinder
  • Bemalte Steine für die Bewohner und Mitarbeiter der zwei Malteser Häuser (Altenheim und An den Eichen)
  • Viele Telefonate mit „Alten“ und „Neuen“

…WOW…

Ich finde da ist einiges zusammengekommen und das ist bestimmt nicht alles. Es gibt noch mehr Gruppen, Kreise und Menschen, die gewiss auf die ein oder andere Weise Kontakt gehalten, neue Möglichkeiten entdeckt und ihren Glauben gelebt haben über die Zeit von Mitte März bis Ende Juni. Auch in den Ferien gab es noch Neuentdeckungen: Sommerkirche für Zuhause, unzählige Facebook-Posts oder Spaß mit Pit in Form eines Alternativprogramms um drei Beispiele zu nennen.

Ich bin begeistert was alles neuentdeckt wurde und wie viele Menschen erreicht wurden! Loslassen ist immer schwer und emotional, nicht nur in Coronazeiten. Einiges kann durch die Lockerungen wieder stattfinden, wenn auch in anderem Maße. Einiges werden wir wiederentdecken und aufleben lassen. Ich hoffe jedoch sehr, dass wir als Pfarrei diese Neuentdeckungen nicht loslassen und in Zukunft immer wieder welche machen. Wir werden sie brauchen und ich sehe das als große Chance.

Mirijam Held, Pastoralassistentin

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