Stellungnahme auf Antworten zur Gebäudesituation St. Peter

Betr.: Stellungnahme auf Antworten des Seelsorgeteams zur Gebäudesituation St. Peter
Sehr geehrte Damen und Herrn,
ich habe lange mit mir gehadert, ob ich überhaupt noch auf die Antworten des Seelsorgeteams zum Fragenkatalog Stellung nehmen soll. Da bei der Gemeindeversammlung alles nur durchgehächeltund auf o.g. Schreiben nicht eingegangen wurde, aber mich die argumentativ sehr abwegigen und unlogischen Antworten zum Fragenkatalog umgetrieben haben, ist es mir doch sehr wichtig, hier einige Dinge klarzustellen:
Es wird mehrfach auf die prekäre Lage bezüglich der starken Rückgänge der Mitglieder der katholischen Kirche und dadurch bedingter massiver Einbrüche der Kirchensteuermittel hingewiesen, die die Kirche dazu zwingen, massive Einsparungen und Umstrukturierungen in den Gemeinden vorzunehmen.
Was mir in den gesamten Antworten und Kommentaren zu dieser Situation fehlt, ist ein klar strukturiertes Konzept, was in sich schlüssig und sachlich durchgespielt wird.
2 wesentliche Punkte, die hier als Grund für die notwendigen Umgestaltungen der Pfarrei genannt werden, sind:
1. starker Rückgang der Gemeindemitgliederzahl und damit zu große Gemeindeflächen und Kirchengebäude
2. massiver Rückgang der Einnahmen durch Kirchensteuer mit der Folge von dringend notwendigen drastischen Einsparungsmaßnahmen.
Ad 1.:
Wie in den Antworten zu lesen ist, wird „eine flächenmäßige Konzentration von Kindergarten, Gemeindeflächen und Kirchenraum an einem Standort in Neubauform“ angedacht. Dies entspräche ja einem Multifunktionsgebäude, wo dieselben Räumlichkeiten für verschiedene Anlässe genutzt werden können.
Nun betrachten wir einmal ganz nüchtern unsere 3 Kirchengebäude und müssen sachlich feststellen, dass wir bereits ein solches Gebäude haben, das auch nicht einmal so marode ist (Baujahr1977), nämlich St. Peter! Im Gegensatz dazu haben wir in St. Johannes und Liebfrauen 2 alte große Kirchengebäude mit extrem hohen Gewölben, die sich nur schwer dafür eignen, variabel durch Vergrößern oder Verkleinern der Räumlichkeiten dem Bedarf entsprechend eingesetzt zu werden.
Warum kommt man dann zu dem Schluß, daß St. Peter abgerissen werden soll? Ganz sachlich betrachtet sprächen die aufgeführtenArgumente doch eindeutig für den Erhalt von St. Peter und für die „Abgängigkeit“ der beiden anderen Gebäude! Die aufgeführten Argumente in den Antworten sind absolut richtig und einleuchtend, aber bei der daraus abgeleiteten Schlußfolgerungmuß doch jeder sagen: Thema verfehlt!!! Widerspüchlicher geht es nicht mehr.
St. Peter bietet durch die variabel einsetzbaren Raumteiler die Möglichkeit, den Kirchenraum der Anzahl der Kirchenbesucher je nach Veranstaltung anzupassen, sodaß sich diese bei geringer Besucherzahl nicht in einem großen Raum verloren fühlen oder aber bei gut besuchten Kirchenfesten wie Weihnachten dernötige Platz geschaffen werden kann. Auch kann man durch Abtrennung des Altarraums den übrigen Bereich für andere Veranstaltungen nutzen, was auch schon so genutzt wurde.
Ad 2.: notwendig Einsparungsmaßnahmen
Wenn man von Einsparungen redet, geht es zum einen um nur notwendige Sanierungsmaßnahmen und zum anderen um mögliche Reduzierung der laufenden Kosten.Da paßt der Abriß von St. Peter überhaupt nicht hinein:
Schaut man objektiv auf die gesamte Gebäudesituation von St.Franziskus, dann ist unbenommen St. Peter das modernste, kostengünstigste und an die heutige Situation angepaßte multifunktionale Gebäude (siehe evangel. Kirchengemeinde Homberg – Haus der Gemeinde). Auch jedem Laien müsste eigentlich klar sein, daß der Neubau eines Multifunktionsgebäudes deutlich mehr Geld verschlingt als die Sanierung eines bereits vorhandenen.
Auch dürften die laufenden Kosten in St. Peter deutlich geringer ausfallen: Zum einen entstehen wegen deutlich geringerer Deckenhöhe und damit entsprechend geringerem umbauten Raum bei vergleichbarer Grundfläche geringere Heizkosten, was auch aus ökologisch-energetischer Sicht nachhaltiger ist, zum anderen ist dieses Gebäude deutlich jünger und damit weniger sanierungsanfällig, bzw. bei Sanierungsmaßnahmen wegen der deutlich geringeren Bauhöhe preiswerter.
Aufgrund der rückläufigen Kirchensteuermittel und der Nachhaltigkeit ist die Vorgehensweise überhaupt nicht zu verstehen. – Ich reiße ein Multifunktionsgebäude neuerer Art ab, um alte große Gebäude mit hohem Renovierungs- und Sanierungsaufwand, sowie schlechter energetischer Bilanz zu erhalten?? Ist das nachhaltig und kostengünstig???
Auch hier wird in den Antworten eigentlich das Gegenteil von dem favorisiert, was zur Einsparung beiträgt.
Nimmt man einmal alle Emotionalität heraus und betrachtet St. Johannes, so werden jetzt Sanierungsmaßnahmen bzw. eigentlich Umbaumaßnahmen zur „Umgestaltung des Innenraumes aus heutiger liturgischer Sicht und Haltung“durchgeführt, die auch unter Abzug der Zuschüsse für den Denkmalschutz dem Kirchensteuerzahler über 600.000€ kosten werden, obwohl in den letzten Jahren bereits größere Summen investiert wurden. Nicht berücksichtigt ist hier die zusätzlich noch notwendige Sanierung der Obergadenfenster und die Zurückstellung der Sanierung der Sakristei. Dies ist ein Fass ohne Boden.
Auch die Begründung für die Sanierung von St. Johannes, daß diese schon seit ca. 10 Jahren geplant und genehmigt ist, macht dies nicht unbedingt richtig; denn damals war es die Pfarrei St. Johannes, die so nicht mehr existent ist, und jetzt ist es eine neue Pfarrei St. Franziskus in einer in den letzten 10 Jahren völlig veränderten Situation, die evtl. auch andere Prioritäten verlangt.
Ich kann manche Personen emotional gut verstehen, aber hier geht es aufgrund der angespannten finanziellen Situation um sachlich sinnvolle Lösungen, die nach Möglichkeit mittel- bis langfristig den Erhalt einer katholischen Kirchengemeinde in Homberg möglich machen.
Aus den besagten Gründen hat es hier in Homberg eine Fusion von Pfarreien gegeben, nicht weil wir dies so wollten, sondern weil wir durch die kirchliche und finanzielle Entwicklung genötigt wurden, zu reagieren.
Wenn Unternehmen fusionieren, werden sie nicht an vor Jahren geplanten Projekten festhalten, sondern zunächst eine Bestandsaufnahme machen und anschließend umstrukturieren. Dazu gehört auch, den Gebäudebestand entsprechend der neuen Firmenausrichtung und –nutzung zu beurteilen und sich von nicht mehr benötigen Gebäudeteilen zu trennen, auch wenn es sich möglicherweise um den, über Generationen bestehenden, ursprünglichen Firmensitz handelt, mit dem man emotional noch verbunden ist.
Es steht hier die Frage im Raum: Können wir uns den Luxus solcher alten, denkmalgeschützten Kirchen noch leisten? Denn solche Gebäude sind sowohl im Unterhalt als auch bei Sanierungsmaßnahmen aufwendig und kostspielig, selbst unter Berücksichtigung der Förderung durch den Denkmalschutz.
Besonders böse ist mir die beiläufige Information aufgestoßen, dass Münster aufgrund der stark zurückgehenden Kirchensteuermittel signalisiert, dass in Zukunft seitens des Bistums keine Förderung von größeren baulichen Unterhaltungen an St. Peter mehr möglich ist.
Müßte man hier nicht auch Münster von Seiten der Pfarrei klar machen, dass sie sich mit solchen unausgegorenen Konzepten in die Nähe der Veruntreuung von Kirchensteuergeldern bewegen?
Mir geht es hier nicht emotional um den Erhalt einer speziellen Kirche, sondern um eines klar zu machen: Wenn man in dem Schreiben schon wichtige und richtige Argumente zur Bewältigung der jetzigen Situation aufführt, sollten auch die Schlußfolgerungen dazu passen!
Außerdem ist hier der zweite Schritt vor dem ersten gemacht worden! Die jetzige Situation hätte zunächst endgültig und sachlich geklärt werden müssen, bevor man in die eigentliche Planungsphase übergeht.
Wenn jemand anderer Meinung ist, bin ich gern zu einem sachlich Austausch bereit, die Emotionen solltenhierbei allerdings ausgeklammertwerden.
Mit freundlichen Grüßen
Manfred Grunenberg